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Versuch eines Neubeginns

Seit dem Jahr 2000 suche ich nach einer spirituellen und auch religiösen Heimat für mich. Ich bin getaufter Christ, doch mein Glaube an Gott ist nicht mehr so wie früher und ich habe oft an meiner Religion gelitten. Ich habe die normale menschliche Angst vor dem Tod, vor allem vor dem Tod anderer Menschen die mir teuer sind, vor dem Tod mit dem man leben muß. Ich bin auch psychisch krank mit Schizophrenie was mein Leben nicht gerade einfacher macht.

Zur Zeit lebe ich in einem Wohnheim der Diakonie in Marienberg, ein Stück weit weg von meiner Heimat, mitten im Erzgebirge. Es geht schon, ich kann hier leben, aber so richtig daheim fühle ich mich hier nicht. 

Eigentlich ist es so daß ich denke daß mir Gott ein Halt im Leben sein müßte, aber jedenfalls seit der Zeit seit ich die Bibel lese und die Glaubenslehren zu hinterfragen begonnen habe, ist mir Gott eigentlich eher eine große Bürde. Und ich kann mich einfach nicht entscheiden, glaube ich an Gott oder tue ich das nicht? Alles geht über meinen Rücken, die Verantwortung, die Anstrengung, die spezifisch christliche Art der religiösen Einsamkeit und daß ich vom normalen Leben wie ausgeschlossen bin durch mein Übermaß an religiösen Grübeleien. Und ich kann das alles einfach nicht lassen, es ist als ob mich Gott selbst verfolgt und einfach nicht zu Atem kommen läßt, oder als wäre meine ganze Religion eigentich nur ein sinnloses Bündel von Zwangsgedanken. 

Ich war einmal ein anderer Mensch, scheint mir. Ich liebte das Leben und sah in vielem schnell das Gute. Ich hatte einen Begriff von Gott als eines Wunderbaren das Niemandem etwas Böses wollte, einer guten Macht der man gefahrlos trauen kann. Doch dieses schöne einfache Gottesbild hat mir die Bibel zerstört und zerschmettert. Ich kann es kaum verstehen wie man sich ein gutes Gottesbild im Angesicht einer gläubig gelesenen Bibel überhaupt erhalten kann. Es ist schwer. 

Und genauso schwierig ist es auszuhalten daß man gar nicht genau wissen kann ob es Gott überhaupt gibt, zusammen mit all dem was sich aus der Existenz eines Gottes ergeben würde, Segnungen, Sicherheit, ein Nachleben, Erleuchtung, Inspiration, usw. Einerseits wäre es für mich etwas Wunderbares wenn es tatsächlich einen guten Gott geben würde. Doch andrerseits steht genau diese Sache in Zweifel im Angesicht des Leidens in der Welt das doch ein guter Gott leicht beenden könnte. Man kann diesen Zustand zwar erklären, als dialektischen Raum zur Erkenntnisgewinnung etwa, aber all diese Versuche das Leid zu erklären führen daran vorbei daß es das Leid einfach gibt und das es Zeiten gibt und bestimmte Leidensarten, die man einfach kaum aushalten kann, die stark an die Substanz gehen, die einen ersticken und die große Angst machen. Wenn man da an Gott glaubt mag man seine Hoffnung auf Heilung haben, aber wenn diese einfach nicht eintreten will, was dann? Da hat man zusätzlich zu seinem Leid noch das Leid daß man sich von Gott im Stich gelassen fühlt. Und irgendwann ist die menschliche Leidensfähigkeit erschöpft, und daran kann dann auch ein Jesus Christus nichts mehr ändern.

Jedenfalls sind das so Fragen und Gedanken die es schwer machen sich in einer Religion wohlzufühlen, und man denkt man ist vielleicht besser dran wenn man sich von Religion fernhält und die ganze Chose nicht mehr mitmacht. Wichtig ist ein Mensch sowieso meistens nur seinen Angehörigen und engen Freunden. Ob ich leide oder glücklich bin, wen kümmert das eigentlich? Ich bin nicht wichtig im Weltgeschehen, ob ich da einem Gott wichtig bin?

Aber vielleicht gibt es Dinge, die sind eigentlich wie Gott. Ein gutes Musikstück etwa, nehmen wir mal Beethovens Sechste. Die klingt nach reinem Geist und für mich klingt sie nach Gott wie ich ihn fühle und mir denke. So eine Heiterkeit und Unschuld. Oder auch Bücher wie Hermann Hesses Siddhartha. Manche Gedichte von Goethe. Manche Gemälde oder Plastiken. Kunst kann helfen die ganze Sache zu verstehen, daß man die Sache so reflektieren kann daß man bemerkt, ich bin nicht der einzige Mensch mit diesen Gedanken und Erlebnissen. Mit der Erfahrung des Leids und des Widerspruchs, des inneren Konflikts. 

Ich hoffe ich kann hier viel und ausführlich schreiben. Darüber was ich suche im Leben, was ich schon gefunden habe, was mich erhebt und was mich frustriert. Ich weiß nicht mehr genau ob es einen Gott gibt, aber ich denke die Suche nach Gott muß kein endloses Leid bedeuten. Ich kann ja Gott auch mit Sinn übersetzen und definieren, und so sinnlos empfinde ich meine Suche nach Gott nicht, denn Gott wird gebraucht, wenn es ihn auch vielleicht nicht so gibt wie man sich das am Anfang so denkt.

4.1.15 15:23


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